Die Pfarrei Geichlingen

Die Pfarrei Geichlingen gehörte von 1802 bis 1822 zur der Diozöse Metz, danach wieder wie ursprünglich zu Trier.

Geichlingen gehörte zum Landkapitel Mersch von dem die vier Pfarreien Geichlingen Körperich, Kruchten und Wallendorf den über Sauer und Our hinausragenden Ostzipfel des Dekanats darstellten. Siehe hierzu "Siedlung und Pfarrorganisation im alten Erzbistum Trier und Das Landkapitel Mersch" von Ferdinand Pauly.

Die Einzelheiten der Urkunde von 1096, vor allem die Erwägung einer Mehrzahl von Kirchen und die Gegenüberstellung von villa und villulae können auf den ersten Blick befremden, wenn man berücksichtigt, daß Geichlingen im Visitationsbericht von 1570 als Pfarrort ohne Filialkapellen erscheint. Ein genaueres Bild bietet jedoch der Visitationsbericht von 1738 mit der Erwähnung von zwei Häusern in Bauler, und je einem Haus in Nasingen und Bierendorf (Berndorf), die zum Pfarrbezirk gehörten. Hier erscheint nun auch eine capella publica in Bauler, in welcher der Pfarrer von Geichlingen einmal im Jahr zum Gottesdienst verpflichtet war. Diese Kapelle dürfte ein entscheidendes Indizium für die Interpretation der Verhältnisse in der Urkunde von 1096 bieten:

Die villulae sind nicht ausschließlich als kleinere Höfe in Geichlingen die unter dem Haupthof standen, zu verstehen, sondern als Zubehör der Grundherrschaft in Nachbarorten, mit wenigstens in einem Ort auch eine Kirche (ecclesia) verbunden war. Mit der Kirche in Geichlingen ergibt sich unter dieser Voraussetzung die in der Urkunde bezeugte Mehrzahl von Kirchen innerhalb der Grundherrschaft. Es fällt freilich auf, daß diese Kirchen unterschiedslos nebeneinander erscheinen und der Haupthof in Geichlingen mit dem Zusatz "cum ecclesia", wie er sonst üblich ist, genannt wird. Gerade dieser Umstand aber könnte zur Erhellung der Verhältnisse beitragen. Wenn nämlich das unterschiedslose Nebeneinander der Kirchen der Situation von 1096 entsprach, dann gehört die Kirche in Geichlingen damals noch nicht zu den Pfarrkirchen des Landkapitels, sondern war eine grundherrschaftliche Kapelle innerhalb eines größeren Pfarrbezirks, als dessen Zentrum wohl die Kirche in Gegen (d.h.). Körperich) zu gelten hat. Diese Annahme wird durch eine Einzelheit in der Urkunde von 1096 gestützt: Die so minutiöse Aufzählung der in der Schenkung einbegriffenen Güter und Rechte erwähnt das Zehntrecht in Geichlingen nicht. Da nun die Abtei Echternach in allen Visitationsberichten seit 1570 im Besitz von zwei Dritteln des Zehnten - der Pfarrer erhielt das letzte Drittel - erscheint, spricht die Vermutung dafür, daß die Abtei 1096 bereits im Besitz des Zehntrechts gewesen ist, Geichlingen also zum größeren Zehntbezirk des übergeordneten kirchlichen Sprengels gehörte. Einen Hinweis auf die Verhältnisse bietet eine Echternacher Urkunde vom Jahr 1282: Der Priester Wilhelm von Gegen (d.h. Körperich), Gentingen, Geichlingen und Kruchten, die er betreute und die er seine Kirchen nennt, testamentarisch Vermächtnisse zu. Gentingen erscheint jedoch noch bei der Visitation von 1570 (und noch im 18. Jahrhundert) als Filiale von Körperich. Wenn aber eine der 1282 unterschiedslos als "ecclesiae" bezeichneten Kirchen als Filialen nachgewiesen werden kann, dann ist die Möglichkeit einer solchen Rechtsstellung für Geichlingen nicht auszuschließen. Auf keinen Fall wird man die Gemeinsamkeiten von vier benachbarten Kirchen in einem Bezirk mit ausschließlich Echternacher Zehntrechten als rein zufällig ansehen dürfen. Die Urkunde von 1282 könnte das letzte Zeugnis für einen sich aufgliedernden Großpfarrbezirk sein, dessen Kirchen in Gegen-Körperich, Geichlingen und Kruchten in der Taxa generalis (um 1330) als selbstständig erscheinen.

Die Anfänge der Laurentiuskirche in Geschlingen in der 1550 ein mit dem Valentinsaltar verbundenes Benefizium bestand, das der Pfarrer zu verleihen hatte, könnten unter Berücksichtigung des Patroziniums in die zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts fallen, als nach dem Sieg Ottos des Großen über die Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg (955) die Laurentiusverehrung man schrieb der Fürbitte des Heiligen den Sieg zu eine besondere Blüte erfuhr. 13

Über die Pfarrei Geichlingen erfahren wir desweiteren aus " Beiträge zur Geschichte sämtlicher Pfarreien der Diöcese Trier - Regierungsbezirk Trier" von Philipp de Lorenzi, daß


"Die Abtei Echternach besaß schon gegen Ende des 8. Jahrhunderts im Dorf Geinne am Flusse Geihe im Ardennengau einen Herrenhof mit Ländereien. Theuger und Harduwicus hatten dieselben 781 der Kirche des hl. Willibrord geschenkt. Obgleich der Ort Gichelinga nebst der Kirche schon in dem Schutzbrief des Papstes Alexander II. für die Güter der Abtei vorkommt, so scheint doch erst durch die Verzichtleistung des Edelmanns Gerhard 1096 diese Besitzung vollkommen garantiert worden sein. Die älteste Kirche soll nach einer Sage auf den sogenannten Tuschberge (Taufberg) unterhalb des oberen Dorfs gestanden haben. Bei der Visitation des Landkapitels Mersch von 1570 befand sich aber die Pfarrkirche von Gichlingen schon auf der Stelle der jetzigen. Von jener ist noch der Turm übrig; das Schiff der gegenwärtigen Kirche wurde aber von der Abtei 1757 erbaut. Die Pfarrgemeinde verlängerte das selbe 1822 um ein Drittel und baute den Chor daran. Bei der genannten Visitation war wie heute der hl. Laurentius Hauptpatron der Kirche, wahrscheinlich auch schon der hl. Valentin zweiter Schutzheilige derselben. Sie hatte zwei Altäre und zwei Kelche. Die Ornamente der Altäre waren dürftig und unwürdig, weshalb der Visitator den Abt auffordern ließ, dieselben in besseren Stand zu setzen, widrigenfalls ihm der Zehnte eingehalten werden sollte. Der Abt hatte nämlich außer dem Verleihungsrecht auch zwei Drittel des Zehnten, während dem Pfarrer ein Drittel dieser Einkünfte zustand. Letzterer Anteil betrug 9 Malter Korn, das ein Drittel des kleinen Zehnten kaum einen halben Thaler. Außerdem bezog der Pfarrer aus jedem Hause 3 Brote und von der Wochenmesse 1 Fuder Heu. Das Wittum umfaßte 6 Morgen Ackerfeld und brachte 2 Fuder Heu. Der Pfarrort bestand nur aus 15 Häusern , und die Zahl der Kommunikanten betrug 60. Im Jahre 1657 befanden sich daselbst nur noch 10 Familien, 1738 aber wieder 100 und 1772 sogar 150 Komm.; aber teils durch die Schuld eines nachlässigen Pfarrers, teils durch die Schuld der Parochianen, "welche mehr Sorge für ihr Vieh als für die mit kostbaren Blute Christi erkauften Seelen trugen", wurde die Kirche und die Schule von gar vielen versäumt. Selbst die 1667 eingeführte Christenlehr - Bruderschaft war nicht im Stande, diese Übel gründlich zu heben.

13 PAULY Ferdinand, Seite 70 ff.
14 DE LORENZI Philipp, Beiträge zur Geschichte sämtlicher Pfarreien der Diösese Trier Regierungsbezirk Trier,
Verlag der Akademischen Buchhandlung Interbook, Trier, 1678, S. 400f. (Im Folgenden : De LORENZI

Die Pfarrer der Pfarrei Geichlingen

1570 Lorenz LERSCH
1609 - 1632 Nikolaus VEYDER
1632 - 1640 Philipp MERTERT
1641 - 1678 Nikolaus HAUFF
1679 - 1719 Philipp JACOBI
1720 - 1759 Johann Baptist BAULER
1759 - 1792 Joh. Bapt. FELTEN
1793 - 1801 Nikolaus KNEIP
1801 - 1805 Nikolaus SCHOLTES
1806 - 1809 Joh. Nik. MÜLLER
1809 - 1832 Johann LEONARDY
1832 - 1859 Paul PÜTZ
1859 - 1878 Konrad REULAND
1878 - 1884 ?
1884 - 1896 Adan ROTH
1896 - 1911 verwaltet von Lahr
1911 - 1919 Johann KILBURG
1919 - 1939 Dr. Mathias LAROS
1939 - 1948 Johann DILLMANN
1948 - 1949 verw. v. Pastor HARTMANN, Lahr
1949 - 1953 Ferdinand HÖFFLER
1954 - 1996 verw. von Hermann MÜLLER, Lahr
ab 1996 verw. v. Pater BRANDT in Körperich

Auszug aus dem Familienbuch der Pfarrei St. Laurentius Geichlingen
zusammengestellt und bearbeitet von
Mathias Emil Hubsch
112, rue de la Libération
L-4798 LINGER

Esfolgten auch viele Söhne der Pfarrei ihrer Berufung zum Priesteramt. In de 60er Jahren, waren es sogar gleichzeitig ihrer vier: Prof. Dr. Seelhammer, Dr. Michael Blasen,Pastor Theis in Zemmer und Pater Groben in den USA:

Die Pfarrkirche St. Laurentii

Die erste Kirche wird erwähnt auf dem Duffberge. Von der jüngeren,im Visitationsbericht von 1570 genannten Kirche (Heydinger a.a.0.)steht noch der untere Teil des Turmes, dem sich im Jahre 1757 ein neues Schiff anfügte. Das Schiff wurde im Jahre 1822 unter dem Abbruch des Chores um ein Drittel verlängert und ermöglichte einen neuen Choranbau.Dabei wurden auch die Fenster und das Innere erneuert.

Die Kirche ist ein einschiffiger Bau in Bruchstein, von rechteckigem Grundriß mit altem Chorturm auf der Mitte der Langseite,die hier die Ostseite bildet. Dem Schiff vom Jahre 1757 hat der Turm als Sakristeiraum gedient. Schiff und Chor sind im Lichten 20,50 m lang und 7,50 m breit. Das Äußere ist schlicht geputzt.

Weihnachten 1944 wurde die Pfarrkirche bei einem Bombenangriff sehr stark zerstört. Nach Kriegsende erfolgte dann eine provisorische Renovierung. Der eingefallene Turm wurde wieder hochgemauert, Dach und Turm wurden neu eingedeckt. Aus Ermangelung von Geld und Baumaterieal wurde anstatt des Gewölbes nur eine einfache Holzdecke eingezogen. Leider hat bei der Erneuerung des Turmdaches, dieser einige Meter an Höhe verloren.

Anfangs der fünziger Jahre wurde dann endlich das Gewölbe erneuert. Weitere Renovierungen im Innen- und Außenbereich folgten in den sechzigern, achtzigern und neunziger Jahren.

Der dreigeschossige Turm ist spätmittelalterlich,das Glocckengeschoß durch Gesims betont. Die gekuppelten Schallfenster zeigen Kämpfersäulchen.

Die Fenster des Schiffes sind rundgeschlossen, mit Schlu߬und Kämpfersteinen auf hohem Sockelgesims. Die Strebepfeiler sind neu. Das Westportal mit breiteSandsteinumrahmung, die zugleich ein großes Oberlichtfenster einschließt. Auf dem Sturz die römische Jahreszahl 1757. Die hohe Turmhalle ist kreuzgewölbt, das Schiff zeigt Tonne mit Stichkappen auf schmalen Wandvorlagen, die vor breiten Hohlkehlrahmen liegen.

HOCHALTAR von Holz, in Rokokoformen des 18.Jahrh. Großes Tabernakel zwischen im Halbkreis zurückspringenden kleinen Seitenbauten, von deren Dach aus zwei hohe, frei behandelte Volutenarme einen kleinen Baldachin stützen. Auf dem Gesimspodest der Türabschlüsse links die Holzfigur des Kirchenpatrons des HL.Laurentius. Rechts die des Hl.Valentinus. beide 18.Jahrh. ein Meter hoch

An der Turmwand die Steinffiguren der hl.Jungfrauen FIDES, SPES, CHARITAS, einfache Arbeiten von Anfang des 19.Jahrh. von rotem Sandstein und bemalt, 70 cm hoch.

Silberne Monstranz d.18. Jahrh. 63 cm hoch: Der sehr fein gearbeitete ovale Fuß bedeckt mit Rokokowerk in getriebener Arbeit. Der obere Teil interessant aus dem Schema herausfallend durch eine Umrahmung von Weinranken und Ähren, die aus Füllhörnern herausquellen, alles vollplastisch und auf Fern¬wirkung berechnet, mit einem besonderen Knauf als Stütze. Den oberen Abschluß bildet eine von Engeln gehaltene große Krone: Der runde Schaubehälter ist untergeordnet, umgeben von einem
Kranz in Rokokoformen.

Pfarrhaus Geichlingen

Das Pfarrhaus ist eines der ältesten Häuser in Geichlingen, es wurde um 1682 erbaut und in den siebziger Jahren unter der Bauleitung des Architekten Dieter Müller vorbildlich restauriert.

Heute befindet sich hierin die gut genützte Boromäusbücherei, eine Küche, ein kleiner Sitzungsraum für Pfarrgemeinde- und Verwaltungsratsitzungen sowie ein kleiner Saal für Kichenchorproben, Musikschule und andere Veranstaltungen.

Die Glocken

Nach einer alten Sage sollten die Geichlinger Glocken im dreißigjährigen Krieg versteckt werden. Ein Wagen mit 4 Pferden bespannt, geriet aber bei der Flucht in einen Sumpf und versank samt der Glocken.

Im ersten Weltkrieg mußten die Geichlinger ihre Glocken wiederum abgeben.

Eine Stahlglocke aus dem Jahre 1922 rief dann über vier Jahrzehnte die Gläubigen zum Gottesdienst. 1965 wurden drei neue Glocken geweiht. Sie wurden auf Maria die Gotesmutter, St. Laurentius und St. Valentin geweiht.

Besonderheiten

An jedem Ortsein- und -ausgang befindet sich ein Bildstock.